Informationsveranstaltung in Rostock: Elektronische Patientenakte (ePA)
Danziger Straße 45d
18107 Rostock
Deutschland
Nach dem Vormittag in Schwerin ging es für Petra direkt weiter nach Rostock. Dort war sie auf Einladung von IN VIA Rostock e. V. und dem Projekt „Älter werden in Lütten Klein“ zu Gast. Veranstaltungsort war das Mehrgenerationenhaus (MGH) Lütten Klein, ein Begegnungsort für Menschen aller Generationen und Herkunftsländer. Seit 2007 bietet es Raum für Austausch, Begegnung und gemeinsame Aktivitäten.
Auch die digitale Teilhabe älterer Menschen wird hier großgeschrieben: Das Mehrgenerationenhaus ist ein Erfahrungsort im DigitalPakt Alter. Engagierte Digitallots:innen unterstützen Menschen dabei, digitale Geräte kennenzulernen und sicherer im Umgang mit Smartphone, Tablet und Co. zu werden. Das Projekt „Älter werden in Lütten Klein“ setzt sich außerdem dafür ein, dass ältere Menschen möglichst lange selbstbestimmt in ihrem vertrauten Wohnumfeld leben können. Dazu gehören neben Beratung und Alltagshilfe auch Bildungs- und Begegnungsangebote.
Die Digitallots:innen vor Ort hatten bereits viele Fragen rund um Smartphones und digitale Anwendungen beantwortet. Ein Thema war bisher allerdings eher selten im Mittelpunkt gestanden: die elektronische Patientenakte, kurz ePA. Das sollte sich heute ändern. Petra war gekommen, um die Grundlagen zu vermitteln und einen umfassenden Überblick über die ePA zu geben.
Das Interesse war riesig! Mehr als 30 Personen wollten dabei sein. So viele, dass spontan zusätzliche Stühle aufgestellt und weitere Informationsmaterialien nachgedruckt werden mussten. Auch fünf Digitallots:innen nahmen an der Veranstaltung teil. Für sie war der Termin eine gute Gelegenheit, ihr Wissen zu erweitern und sich auf künftige Fragen aus dem Stadtteil vorzubereiten.
Die Aufgaben waren klar verteilt: Petra erklärte zunächst, was die ePA ist, wie sie funktioniert, welche Möglichkeiten sie bietet und was sie nicht leisten kann. Die Digitallots:innen sollten anschließend bei weiteren Terminen Unterstützung anbieten, wenn Interessierte ihre persönliche ePA einrichten möchten. Denn zwischen dem Wissen über die ePA und ihrer tatsächlichen Nutzung auf dem eigenen Smartphone liegen manchmal einige Schritte.
Petra begann deshalb mit den Grundlagen. Die elektronische Patientenakte ist ein digitaler Speicher für wichtige Gesundheitsinformationen. Dazu können beispielsweise Arztbriefe, Befunde, Laborergebnisse und weitere medizinische Dokumente gehören. Die Informationen können helfen, einen besseren Überblick über die eigene Krankengeschichte zu behalten und die Behandlung zu unterstützen, insbesondere wenn mehrere Arztpraxen oder andere medizinische Einrichtungen beteiligt sind.
Dabei ist die ePA kein vollständiges, automatisch gefülltes Archiv sämtlicher Gesundheitsdaten. Welche Informationen enthalten sind, hängt unter anderem davon ab, welche Daten eingestellt werden und welche Dokumente bereits vorliegen. Auch ersetzt die ePA weder das ärztliche Gespräch noch die persönliche Beratung. Sie soll vielmehr dazu beitragen, wichtige Informationen verfügbar zu machen und die Versorgung zu unterstützen.
Natürlich ging es auch um Datenschutz und Sicherheit. Wer kann die gespeicherten Informationen einsehen? Wie lässt sich der Zugriff regeln? Und welche Möglichkeiten haben Versicherte, selbst über ihre Gesundheitsdaten zu bestimmen? Gerade bei sensiblen medizinischen Informationen sind das wichtige Fragen. Petra erklärte die Zusammenhänge und half den Teilnehmenden, die Möglichkeiten und Grenzen der ePA besser einzuschätzen.
Ein weiterer Schwerpunkt war die praktische Einrichtung. Wer seine ePA selbst über eine App verwalten möchte, muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Dazu gehört ein geeignetes Smartphone und ein Verfahren zur sicheren Identifizierung. Bei einer Einrichtung über die NFC-Funktion können beispielsweise ein NFC-fähiges Smartphone, eine dafür geeignete elektronische Gesundheitskarte und die PIN der Gesundheitskarte erforderlich sein. NFC ist eine Funktechnik, über die sich Geräte und Karten auf kurze Distanz miteinander verbinden können.
Wer die PIN nicht besitzt oder nicht mehr kennt, kann sie bei der eigenen Krankenkasse anfordern. Welche Identifizierungs- und Einrichtungsverfahren zur Verfügung stehen, hängt von der Krankenkasse und dem jeweiligen Zugangsweg ab. Deshalb lohnt es sich, die Voraussetzungen vorab zu prüfen. Genau hier sollen die Digitallots:innen künftig ansetzen: Sie können Interessierte dabei unterstützen, die Einrichtung gemeinsam unzusetzen.
In den zwei Stunden blieb es natürlich nicht bei diesen Themen. Es wurde gefragt, nachgehakt und diskutiert. Das Vorwissen war bei den meisten Teilnehmenden noch überschaubar, sodass Petra zahlreiche Grundlagen erklären konnte. Viele Fragen kamen aus dem konkreten Alltag: Was bedeutet die ePA für mich persönlich? Muss ich sie nutzen? Was brauche ich dafür? Und wie gehe ich vor, wenn ich Unterstützung benötige?
Petra beantwortete die Fragen und nahm sich Zeit, auch kompliziertere Zusammenhänge verständlich zu erklären. Ihr Ziel war nicht, möglichst viele Menschen von der Nutzung der ePA zu überzeugen. Vielmehr sollten alle am Ende eine fundierte Grundlage haben, um selbst entscheiden zu können, ob und wie sie die ePA nutzen möchten.
Nach dem offiziellen Ende kamen noch einige Teilnehmende auf Petra zu, um persönliche Fragen zu besprechen. Darunter war auch eine 88-jährige Dame, die mit Tränen in den Augen erzählte, dass sie Angst habe, digital abgehängt zu werden. Sie besitze zwar ein Smartphone, nutze es bislang aber vor allem, um Nachrichten über WhatsApp zu schreiben. Viel mehr traute sie sich nicht zu – und hatte sich bisher auch nicht getraut, gezielt Unterstützung zu suchen.
Petra nahm sich Zeit für sie und versuchte, ihr die Sorge zu nehmen. Sie erklärte, dass die ePA auch von den behandelnden Ärzt:innen genutzt werden kann, wenn die Patientin selbst keinen eigenen App-Zugang eingerichtet hat. Ein eigener Zugang auf dem Smartphone ist also nicht Voraussetzung dafür, dass die ePA im medizinischen Alltag genutzt werden kann.
Vor allem aber machte Petra der Dame Mut: Niemand müsse alles auf einmal lernen. Ein Smartphone werde nicht von heute auf morgen vertraut, und es sei völlig in Ordnung, Fragen zu haben oder etwas noch nicht zu können. Schließlich habe jede Person einmal angefangen. Entscheidend sei nicht, wie viel man bereits wisse, sondern ob man die Möglichkeit bekomme, in Ruhe zu lernen und Unterstützung zu finden. Die Digitallots:innen vor Ort seien genau dafür da – und die Dame müsse diesen Weg nicht allein gehen.
Die Tränen trockneten schnell. Aus der anfänglichen Sorge wurde neue Zuversicht. Die Dame war nun bereit, das Unterstützungsangebot der Digitallots:innen anzunehmen und sich Schritt für Schritt mit den Möglichkeiten ihres Smartphones vertraut zu machen.
Für Petra war diese Begegnung ein besonders bewegender Abschluss der Veranstaltung. Denn digitale Teilhabe bedeutet mehr, als Apps einzurichten oder technische Fragen zu beantworten. Es geht auch darum, Menschen die Angst vor der Technik zu nehmen, ihnen Mut zu machen und ihnen zu zeigen, dass sie nicht allein sind.
Mit mehr als 30 Teilnehmenden, vielen beantworteten Fragen und einem konkreten nächsten Schritt für die weitere Unterstützung war der Termin im Mehrgenerationenhaus Lütten Klein ein voller Erfolg. Und vielleicht war gerade das Gespräch mit der 88-jährigen Dame die wichtigste Erkenntnis des Tages: Niemand sollte das Gefühl haben, für die digitale Welt zu alt zu sein. Es ist nie zu spät, etwas Neues zu lernen – besonders dann nicht, wenn Menschen da sind, die einen dabei unterstützen.
Regionale Angebote
Projekt „Älter werden in Lütten Klein“ (IN VIA Rostock e. V.)
Das Projekt "Älter werden in Lütten Klein“ möchte die Bedingungen im Alltag und im Lebensumfeld von Seniori:nnen im Rostocker Ortsteil Lütten Klein verbessern. Gemeinsam mit dem Seniorenbeirat Lütten Klein, vielen ehrenamtlich Engagierten sowie mit Unterstützung von verschiedenen Vereinen, Unternehmen und anderen Institutionen gibt es vielseitige Möglichkeiten, sich zu informieren, bei Bedarf Hilfe zu bekommen und im Alter aktiv zu sein. So gibt es unter anderem kostenlose Unterstützung in der digitalen Welt, unter anderem einen Smartphone 1x1-Kurs oder eine regelmäßige Sprechstunde. Geplant ist auch ein KI-Stammtisch. Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite des Projekts "Alter werden in Lütten Klein" sowie im Programmheft: Programm Herbst/Winter 2026/2027. Das Programm "Älter werden in Lütten Klein" ist auch in gedruckter Form im Mehrgenerationenhaus Lütten Klein sowie an vielen anderen gut besuchten Orten im Stadtteil erhältlich.
Überregionale und Online-Angebote
- Digital-Kompass: Kostenfreies Angebot zur digitalen Teilhabe von Menschen mit Lern- und Leseschwierigkeiten
www.digital-kompass.de - Digitalführerschein (DiFü)
www.difue.de - DigitalPakt Alter
www.digitalpakt-alter.de - Digital mobil im Alter
www.digital-mobil-im-alter.de - Nie zu alt fürs Internet! – Broschüre zum Einstieg in das Internet
www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/service/publikationen/ - Digitale Senior:innen
www.digitaleseniorinnen.at