Informationsveranstaltung: Digitaler Nachlass
Gemeindeverwaltung Wiesenburg/Mark
Schlossstraße 1
14827 Wiesenburg
Deutschland
Nach dem lebhaften offenen Format am Vortag in Bad Belzig ging es für Petra heute weiter nach Wiesenburg/Mark. Wieder war Bärbel Kraemer vom Projekt „Pflege vor Ort“ die Gastgeberin - gemeinsam mit der Gemeindeverwaltung Wiesenburg/Mark. Dieses Mal stand allerdings kein offenes Beratungsangebot auf dem Programm, sondern eine Informationsveranstaltung zum Thema „Digitaler Nachlass“.
Dass gerade dieses Thema auf dem Programm stand, war kein Zufall: Bärbel Kraemer hatte Anfang des Jahres bei den Senior:innen nachgefragt, welche digitalen Themen sie besonders interessieren. Der digitale Nachlass gehörte zu den gewünschten Themen – und so wurde aus dem Wunsch nun eine gemeinsame Veranstaltung.
Zehn Personen kamen zu der Veranstaltung - die meisten wohnten nur fußläufig vom Veranstaltungsort. Es stellte sich schnell heraus, dass das Thema für die meisten noch ziemlich neu war: Bis auf zwei Personen hatte sich bisher niemand intensiver mit dem eigenen digitalen Nachlass beschäftigt. Entsprechend viele Fragen hatte Petra zu beantworten.
Was gehört eigentlich zum digitalen Nachlass? Wenn von Nachlass die Rede ist, denken viele zunächst an die Wohnung, das Bankkonto, Wertgegenstände oder persönliche Unterlagen. Doch längst hinterlassen wir auch eine ganze Menge digitaler Spuren und Besitztümer.
Dazu gehören zum Beispiel E-Mail-Konten und soziale Netzwerke, Online-Banking und Bezahldienste, Online-Shops, Streaming-Abos, Cloud-Speicher, digitale Fotos und Videos, Messenger, Webseiten oder Blogs. Aber auch Kundenkonten bei Online-Diensten, gebuchte Verträge und Abonnements können dazugehören. Selbst Geräte wie Smartphone, Tablet oder Computer sind Teil des digitalen Nachlasses – ebenso wie die darauf gespeicherten Daten. Und manchmal gehören auch Dinge dazu, an die man zunächst überhaupt nicht denkt. Das wurde später bei der gemeinsamen Sammlung besonders deutlich.
Petra erklärte den Teilnehmenden, warum es sinnvoll ist, sich frühzeitig einen Überblick zu verschaffen. Ohne entsprechende Regelungen wissen Angehörige im Ernstfall häufig gar nicht, welche Konten existieren, welche Verträge weiterlaufen oder wo wichtige Fotos und Dokumente gespeichert sind. Gleichzeitig können laufende Abonnements und Verträge Kosten verursachen. Bei manchen Diensten ist außerdem eine Löschung des Kontos gewünscht, bei anderen sollen Inhalte erhalten bleiben.
Ein erster wichtiger Schritt ist deshalb eine Bestandsaufnahme: Welche digitalen Konten und Geräte gibt es? Welche Verträge und Abonnements laufen? Wo liegen wichtige Dateien und Fotos? Und was soll mit den jeweiligen Konten und Daten einmal passieren?
Hilfreich kann eine Liste sein, in der die verschiedenen Dienste, Anbieter und Verträge festgehalten werden. Dabei sollte auch geregelt werden, wer sich im Ernstfall darum kümmern darf und wo die notwendigen Informationen zu finden sind. Wichtig ist natürlich, Zugangsdaten nicht einfach offen auf einer Liste zu notieren, sondern diese sicher aufzubewahren und den Zugriff entsprechend zu regeln.
Muss der digitale Nachlass ins Testament? Auch diese Frage kam auf: Muss der digitale Nachlass notariell abgesichert werden oder gehört er zwingend ins Testament? Die kurze Antwort: Nein. Eine notarielle Beglaubigung ist für eine Regelung des digitalen Nachlasses grundsätzlich nicht erforderlich. Auch muss der digitale Nachlass nicht zwingend Bestandteil eines Testaments sein.
Allerdings kann eine letztwillige Verfügung sinnvoll sein, wenn es um die rechtliche Erbfolge oder besonders wichtige Vermögenswerte geht. Für viele praktische Fragen des digitalen Nachlasses ist eine Vollmacht eine wichtige Ergänzung. Damit kann festgelegt werden, welche Person sich um digitale Angelegenheiten kümmern und gegenüber Anbietern handeln darf. Entscheidend ist vor allem, dass die gewünschte Person weiß, dass es diese Regelungen gibt und wo sie die notwendigen Informationen findet. Denn die beste Liste hilft wenig, wenn niemand weiß, dass sie existiert.
Auch hier gilt: Der digitale Nachlass ist kein einmaliges Projekt. Konten kommen hinzu, andere werden gelöscht, neue Abonnements abgeschlossen und Geräte ausgetauscht. Deshalb sollte eine solche Übersicht regelmäßig aktualisiert werden.
Nach den vielen Informationen ging es dann vom Zuhören ins eigene Nachdenken. Die Teilnehmenden bekamen die Gelegenheit, sich ganz konkret mit ihrem persönlichen digitalen Nachlass auseinanderzusetzen. Und genau dabei zeigte sich, wie schnell man Dinge übersieht. Gemeinsam wurde gesammelt, was die Teilnehmenden auf ihren persönlichen Listen stehen hatten: Konten, Verträge, Abonnements und Geräte – und eben nicht nur die offensichtlichen Dinge: Ein besonders schönes Beispiel für diese Überraschungsmomente war der smarte Saugroboter. Auch ein solcher Helfer im Haushalt kann Teil des digitalen Nachlasses sein: Er ist mit einem digitalen Konto verbunden, kommuniziert möglicherweise mit anderen Geräten und speichert unter Umständen Informationen.
Die gemeinsame Sammlung machte deutlich: Wer einmal anfängt, über den eigenen digitalen Nachlass nachzudenken, kommt schnell auf deutlich mehr Punkte, als zunächst erwartet.
Zum Abschluss fasste Petra die wichtigsten Punkte noch einmal zusammen. Die Teilnehmenden hatten nicht nur viel über den digitalen Nachlass erfahren, sondern bereits einen ganz persönlichen Anfang gemacht. Und genau dazu ermutigte Petra sie zum Schluss: Diesen Anfang jetzt nicht in der Schublade verschwinden zu lassen, sondern die eigene Liste weiterzuführen, zu ergänzen und regelmäßig zu aktualisieren.
Denn ein gut geregelter digitaler Nachlass ist vor allem eines: eine Hilfe für die Menschen, die sich irgendwann darum kümmern müssen.
Regionale Angebote
Digitaler Brückenschlag – für Digitale Kompetenz in Ehrenamt und Alltag
Ein generationenübergreifendes Reverse-Mentoring Projekt des Smart Village e.V.
Digitale Angebote sicher nutzen, Fragen stellen, Neues ausprobieren: Der Digitale Brückenschlag unterstützt engagierte Menschen ab 50 mit praxisnahen Formaten und persönlicher Begleitung. Die Teilnahme ist kostenfrei.
Termine 2026: Immer an einem Dienstag, 16 Uhr bis 19 Uhr im Kleinen Seminarraum im Kulturzentrum, Weitzgrunder Weg 4, 14806 Bad Belzig.
Informationen und Anmeldung: Smart Village e.V., Klein Glien 25, 14806 Bad Belzig, Internetseite www.smart-village.net und E-Mail: brueckenschlag@smart-village.net.
Kreisvolkshochschule Potsdam-Mittelmark
Die KVHS Potsdam-Mittelmark bietet regelmäßig Veranstaltungen und Kurse rund um digitale Themen – auch am Standort in Bad Belzig (Puschkinstraße 13). Weitere Informationen und Anmeldung auf der Internetseite, telefonisch unter 033841 45430 oder per E-Mail an info@kvhs-pm.de.
Überregionale und Online-Angebote
- Digital-Kompass: Kostenfreies Angebot zur digitalen Teilhabe von Menschen mit Lern- und Leseschwierigkeiten
www.digital-kompass.de - Digitalführerschein (DiFü)
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www.digitaleseniorinnen.at